Wandern macht lustig, Heilkunst macht g’sund – im Mühlviertel

Entschleunigung mit g’sundem Genuss und Ausflug zum Ich. Beides ist möglich in der sanft hügeligen Landschaft des Mühlviertels, Oberösterreich.

Es war mal wieder die Zeit gekommen für einige Tage des „Abstandgewinnens“ und dem Wunsch nach einer ganz persönlichen inneren Einkehr-Findung. Aber diesmal sollte es eben nicht das mir sonst so lieb gewordene Wellness in einem Thermalhotel oder Ressort sein. Ich war auf der Suche nach etwas Anderem!Wandern macht lustig, Heilkunst macht g'sund - im Mühlviertel

Vielleicht ein Geheimtipp

Also begann ich zu recherchieren und siehe da, ich fand einen Ort, der mein Interesse ganz schnell weckte, Bad Kreuzen. Noch nie hatte ich davon gehört oder gelesen und dabei ist er doch gar nicht weit weg! Bad Kreuzen ist eine kleine nette Gemeinde im Mühlviertel, Oberösterreich. Genauer gesagt nennt sich diese Region Strudengau, unweit der Donau gelegen. Als Kurort ist Bad Kreuzen mehr oder weniger gut bekannt. Bei meiner Nachfrage in meinem Umfeld jedenfalls nicht! Der Ort allein war allerdings nicht die „Attraktion“, die mich anzog. Es war ein Kloster-Kurbetrieb, der sich der traditionellen europäischen Heilkunst verschrieben hat und dort wollte ich hin! Aber dazu komme ich noch später.

Wander-Paradies Mühlviertel

Durch die schöne Landschaft mit grünen Wiesen, weiten Wäldern und sanften Hügeln führt ein Wegenetz von 120 km. Die Region bietet allen Wanderlustigen und Nordic Walkern gut markierte Strecken unterschiedlicher Längen und Steigung. Entlang von Bachläufen und Wiesen geht’s durch die sanfte Mühlviertler Hügellandschaft. Dabei lässt sich auch gerne eine Rast einlegen. Auf ein Glaserl Most oder eine Bretteljaus’n bei einem der gemütlichen Gasthöfe mit Gastgärten einkehren, das gehört schließlich auch mit zum Wander-Genuss.Schild als Wegweiser im Mühlviertel Oberösterreich

Eines meiner Ausflugsziele im Mühlviertel führte mich in die Wolfsschlucht, entlang eines Natur- und Kulturpfades – eine echt spannende Sache, wie ich fand!

Schlucht mit skurriler Geschichte

Bad Kreuzen hat wahrlich Geschichte! Und dies seit 1846 als Kurort. Ehemals ließ Herzog Ernst von Sachsen Coburg und Gotha eine „Kaltwasseranstalt“ errichten. Allein schon diese seltsam klingende Bezeichnung erregte mein volles Interesse und ich wollte unbedingt erfahren, was dahintersteckt. Also, der Ort entwickelte sich zum Treffpunkt von Adel und eleganter Aristokratie. Sie suchten die heilenden  Kneipp-Kuren auf und schätzten die Anwendungen mit dem kalten Wasser.

Kneippen im Mühlviertel in OberösterreichQuellen wurden gefasst und Wege durch den Wald ausgebaut um den Aufstieg dorthin zu ermöglichen. Das Zentrum der Kaltwasser Kur-Anwendungen inmitten der Natur war die Wolfsschlucht. Schlucht im Mühlviertel Oberösterreich

Hier sind noch heute die ganz einfachen Duschanlagen unterhalb der Wasserfälle, z.B. die Herren- und Damendusche, zu finden. Bei meinem Aufstieg zur Schlucht (mittlerer Schwierigkeitsgrad) über den schmalen Weg stellte ich mir vor, wie es damals den feinen Damen der Gesellschaft in ihren langen Kleidern wohl dabei ergangen ist?Steine, Mühlviertel in Oberösterreich

 

Die Anwendungsplätze hatten klingende Namen wie „Wiener Wellenbad“, „Herzogsquelle“ oder „Felsendom“. Noch heute kann man an den Beschilderungen die einst so beliebten Kur-Plätze erkennen.

Die Burg

Folgt man dem Weg weiter, so gelangt man zu einer weiteren Sehenswürdigkeit: der eindrucksvollen Burg Kreuzen. Einer Sage nach soll einst ein hier weilender Pilger einen Teil des Kreuzes Jesu aus dem Heiligen Land mitgenommen haben, wodurch die Burg den Namen erhielt. Vom Aussichtsturm aus hat man einen herrlichen Ausblick auf den Strudengau und die sanfte Hügellandschaft.

Kneippen – Balance – Genuss

Eine weitaus zeitgemäßere Art des Kurens mit Schwerpunkt auf traditioneller Heiltradition fand ich im Haus der Marienschwestern vom Karmel. Sie widmen sich im 1. Zentrum für Europäische Traditionelle Medizin, kurz TEM genannt, Anwendungen und Therapien der kraftspendenden und ganzheitlichen europäischen Medizin. Wickel, Bäder, Kneipp- und Fasten-Kuren werden abgestimmt auf den jeweiligen Archetypus. Oder einfach eine wohltuende Auszeit? Verbunden mit einem Ausflug zum Ich. Körper, Geist und Seele sollen wieder zum Gleichklang finden. Aber was ist mit dem Genuss? Keine Sorge, der kommt nicht zu kurz. Es gibt g’sunde Speisen aus regionalen Produkten, liebevoll zubereitet. Es werden auch Workshops angeboten. So kann man etwa lernen selbst Heilsalben herzustellen. Ich erfuhr bei einer Kräuterwanderung unglaublich viel über die Heilkraft der heimischen Pflanzen.

Ich hab mir einige Tage der Entschleunigung im Kurhaus der Marienschwestern gegönnt und was soll ich sagen? Die Entspannung und Ruhe oder das Genießen eines warmen Heusacks machten das Loslassen vom Alltag ganz leicht. Umgeben von einem harmonischen und freundlichen Ambiente und der schönen Natur des Mühlviertels fühlte ich mich ungemein wohl. Gerne wäre ich länger geblieben. Ein Wiederkommen ist bereits vorgesehen. Ich freu mich auf’s nächste Mal im schönen Mühlviertel!

Text und Fotos ©Sissi Munz

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4 Gedanken zu “Wandern macht lustig, Heilkunst macht g’sund – im Mühlviertel

  1. Ein wunderschöner und informativer Artikel!
    Da ich auch dort war kann ich alles was da steht nur bestätigen!
    Auch ich möchte wieder einmal ein paar Tage Auszeit in Bad Kreuze nehmen.

  2. Jeder deiner Artikel bewirkt ein Kribbeln in mir: „da möcht ich auch hin“ … Einige Male war ich schon in Grein an der Donau. Ebenfalls in einem sehr schlichten authentischen Kloster auf Entdeckungsreisen zum „ICH“ – nach Bad Kreuzen bin ich nie gekommen und von der Wolfsschlucht hab ich auch noch nie etwas gehört … Jetzt ist es wieder in mir: „da möcht ich auch hin!“
    Danke für diese einladenden Berichten von deinen vielen, so nahen,
    schönen Entdeckungen! Christine

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