Sofia – 7000 Jahre Kultur

Eine Einladung des Bulgarischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus an eine kleine Gruppe österreichischer JournalistenInnen führte mich nach Sofia, die Hauptstadt Bulgariens. – Pressereise, Teil 2.

das zentrale Mineralbad im Zentrum von Sofia, Bulgarien

Thermalbad

Baum mit interessanter Wurzel_Bulgarien_Sofia Wie wir von unserer historisch und sprachlich sehr bewanderten Fremdenführerin Svetlana erfahren, reicht die Geschichte von Sofia bis zu 7000 Jahre zurück. Sie begleitet uns zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten.

Aus einer ursprünglich neolithischen Siedlung entwickelte sich eine Stadt, die sich ständig erweiterte und deren Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr anwuchs. Heute hat die moderne Metropole Sofia mehr als 1,25 Millionen Einwohner.

Der historische Weg zur Hauptstadt

Die Stadt war schon im frühesten Altertum besiedelt von den warmen Thermalquellen angezogen, lässt sich im 8. Jahrhundert v.Chr. der thrakische Stamm der Serder in der Ebene nieder und gibt der Ansiedlung den Namen Serdika. Im 1. Jhdt. wird sie von den Römern erobert, die die Siedlung in eine blühende Stadt verwandeln. Unter Kaiser Marcus Ulpius Traianus erhält sie den Namen Ulpia Serdika und ist Provinzhauptstadt. Sie wird mit einer soliden Stadtmauer umgeben und mit vier Beobachtungstürmen versehen. Eine zweite Außenmauer folgt im 5.-6. Jhdt. Ihre zweite Blütezeit erfährt die Stadt unter dem römischen Kaiser Justinian dem Großen (527 – 565).

Anfang des 9. Jahrhunderts wird die Stadt vom bulgarischen Khan Krum erobert und unter Khan Omurtag wird sie endgültig in das erste bulgarische Reich einverleibt. Zu dieser Zeit trägt sie bereits den Namen Sredets. 1018 – 1194 steht Sredets unter byzantinischer Herrschaft, behält jedoch seine wichtige strategische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. Zur Zeit des Zweiten Bulgarischen Reiches ( 1185-1393 ) entwickelte sie sich zu einer mittelalterlichen Großstadt. Sofia beherbergt viele Denkmäler aus den bedeutenden Epochen seiner langen Geschichte.

Einkaufsstrasse im Zentrum von Sofia_BulgarienSpaziergang durch das Zentrum

Bei nebeligem Herbstwetter machen wir einen Spaziergang durch das moderne Stadtzentrum – dabei stoßen wir aber immer wieder auf die historischen Spuren der Vergangenheit und sind von so vielen antiken Sehenswürdigkeiten überrascht.

So können Besucher in der Unterführung zwischen dem Ministerratsgebäude und der Präsidentschaft die Überreste des Osttors von Serdika-Sredets aus dem 2.-4. Jhdt. besichtigen.

Die älteste Kirche und ein bedeutendes Architekturdenkmal von Sofia ist die Rotunde Sveti Georgi: sie ist unmittelbar beim Präsidentenpalast gelegen. Man vermutet, dass sie im 4. Jhdt. unter Kaiser Konstantin dem Großen erbaut wurde und die Größe des alten Roms symbolisierte. Im Inneren kann man eindrucksvolle Wandmalereien aus der römisch-byzantinischen Zeit bewundern. Während der Epoche der osmanischen Fremdherrschaft wurde das Haus bis zur bulgarischen Befreiung 1878 als Moschee genützt. Heute ist das Haus wieder eine aktive Kirche, in der täglich Gottesdienste auf kirchenslawisch mit byzantinischen Kirchengesängen gehalten werden.

Gebäude im Stadtzentrum von Sofia_Bulgarien Platz vor dem sofioter Nationaltheater "Iwan Wasow"_sofia_bulgarien

 

 

 

 

 

 

Eine der ältesten Kirchen der Hauptstadt ist die Basilika Sveta Sofia (heilige Weisheit Gottes), die unter dem byzantinischen Kaiser Justinian im 6. Jhdt. errichtet wurde. Ihre Geschichte ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden – sie ist daher die Namensgeberin der Stadt. Einst war sie die Hauptkirche der mittelalterlichen Stadt. Zur Zeit der osmanischen Epoche wurde sie – wie viele andere Kirchen auch – in eine Moschee umgewandelt. Das Gebäude wurde mehrmals restauriert und ähnelt heute stark ihrem ursprünglichen Aussehen aus der Spätantike und dem frühen Mittelalter. Seit Beginn des 20. Jhdts. finden dort archäologische Untersuchungen statt.

Der Glanz der Religion

In unmittelbarer Nähe der Sophien-Kirche befindet sich die Alexander Nevski Kathedrale, ebenfalls eines der Wahrzeichen. Die Gedächtniskirche wurde 1912 nach den Plänen eines russischen Architekten gebaut. Im Inneren beeindrucken uns die großartigen Wandmalereien, Ikonen und Marmorverkleidungen.

Der Glanz seiner vergoldeten Kuppeln zieht von weitem die Aufmerksam auf sich. Der 53 m hochragende Glockenturm ist mit 12 Glocken ausgestattet, wovon die schwerste ein Gewicht von 10 Tonnen hat. Für Pilger-Touristen aus dem ganzen Land ist diese Kathedrale ein ganz besonderer Ort. In der Kirche selbst haben rund 5.000 Menschen Platz. An hohen christlichen Feiertagen füllt sich jedoch auch der Platz um die Kirche mit Gläubigen. Beachtenswert ist auch die Krypta der Kathedrale, die mit einer umfangreichen Sammlung von kostbaren Ikonen aus mehreren Epochen aufwarten kann.

Anhand von Gotteshäusern verschiedener Glaubensbekenntnisse innerhalb eines kleineren Umkreises lässt sich ein hohes Maß an religiöser Toleranz erkennen. In der Unterführung zur U-Bahn Station Serdika befindet sich die orthodoxe Kirche Sveta Petka Samardzhiyska aus dem 11. Jhdt. Weiters in allernächster Nähe die katholische Kirche Heiliger Joseph, sowie die nicht zu übersehende Banya Bashi Moschee aus dem 16. Jhdt.. Ganz nah auch die jüdische Synagoge, die ein Museum beherbergt. Sie soll die größte sephardische Synagoge ganz Europas sein.

Moschee mit Springbrunnen in Sofia_Bulgarien

Banya Bashi Moschee

jüdische Synagoge in Sofia, Bulgarien

Synagoge

 

 

 

 

 

 

 

 

Die russiche Kirche Heiliger Nikolaus, der Wundertäter, ist eine der prächtigsten Kirchen Bulgariens. Sie ist in die UNESCO-Liste eingetragen. Anfang des 20. Jdts. war die Kirche das geistige Zentrum von tausenden russischen Emigranten.

Der Rundgang führt uns weiter zum Nationalen Kunstmuseum und dem Ethnografischen Museum, die beide im ehemaligen königlichen Schloß untergebracht sind. Schließlich kommen wir zu einem nicht zu übersehenden farbigen Prachtbau, dem Nationaltheater, das unbestritten zu den schönsten Gebäuden der
Stadt und somit zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählt.

Sofioter Nationaltheater "Iwan Wasow" in Sofia, Bulgarien

Nationaltheater, Sofia

Am Fusse des Vitosha Gebirges

Die bulgarische Metropole liegt 550 m hoch an den Nordhängen des Vitosha-Gebirges, dem Nah- Erholungsgebiet für die städtische Bevölkerung. In der wärmeren Jahreszeit ist es eines der beliebtesten Ausflugsziele der Umgebung – mit einem der ältesten Naturparks des Landes und einer ausgesprochen vielfältigen Fauna. Im Winter ist diese Region mit seinen Zweitausender-Gipfeln die Lieblingsdestination für Wintersportler, die mit einer Gondelbahn in die Höhen des Skigebietes gebracht werden.

Ausblick zu den Sofioter Bergen, Bulgarien_SofiaDie Journalistengruppe freut sich besonders über einen Ausflug in die Ausläufer des Vitosha. Unsere sehr bemühten Gastgeber vom Ministerium  ermöglichen uns damit auch das nahe Umland der Großstadt kennen zu lernen. Es ist wirklich der Mühe wert, dort den Stadtteil Boyana zu besuchen.

Etwas abgelegen, aber dennoch unübersehbar in einer früheren kommunistischen, monumentalen Präsidenten-Residenz untergebracht, befindet sich das Nationale Historische Museum.

Über 700.000 Artifakte aus der Vorgeschichte bis zur Gegenwart sind in beeindruckenden Sammlungen zu bestaunen. Will man sich einen Überblick über die Schätze aus den verschiedenen Epochen verschaffen, so sollte man sich durchaus einige Stunden Zeit für dieses großartige Museum nehmen – es zahlt sich aus! Wir Journalisten waren jedenfalls sehr beeindruckt über den Umfang sowie die Einzigartigkeit der ausgestellten Exponate aus ganz Bulgarien.

Boyana Kirche ein Unesco Kulturerbe in Sofia_Bulgarien

Boyana Kirche, Unesco Kulturerbe

Unweit des Museums befindet sich auf einer Anhöhe die Kirche von Boyana. Sie ist eine von den wenigen mittelalterlichen Zeugnissen der christlichen Kunst, die bis heute erhalten ist und von der UNESCO als Kulturerbe Denkmal aufgenommen wurde. Die Kirche wurde in drei Etappen erbaut : im 9. Jahrhundert, Mitte 13. und Mitte 19. Jahrhundert.Weltweite Berühmtheit erhielt die Boyanska Kirche vor allem durch seine unikalen Fresken, die in 3 verschiedenen Epochen gemalt wurden. Jede einzelne der 240 Abbildungen zeugt von hohem künstlerischen Wert. Die Künstler sind unbekannt. Es überwiegen Bibelszenen sowie Abbildungen von Heiligen und Bildnisse der damaligen Herrscher. Die portraithaften Züge und vergeistigten Antlitze sind einzigartig und faszinierend in ihrem Ausdruck. Zum Schutz der kostbaren Wandmalereien dürfen Besucher aber nur in kleineren Gruppen betreten. Die maximale Aufenthaltsdauer in den Innenräumen beträgt 10 Minuten.

Fazit:

Am Ende unserer Kultur-Reise nach Sofia steht eine herzliche Verabschiedung von unseren bulgarischen Gastgebern, die wir als neue Freunde gewonnen haben! Uns begleiten nicht nur zahlreiche unvergessliche Eindrücke, die wir gerne weitergeben wollen, sondern auch der Wunsch wiederzukommen und noch mehr von Bulgarien und seinen kulturellen Schätzen kennenzulernen.

Text und Fotos: ©Sissi Munz (pub. 2013)

Noch mehr über die Kultur-Schätze von Bulgarien und seine Unesco-Sehenswürdigkeiten auf meinem Blog Faszination Bulgarien und The Magic of Bulgaria

 

 

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