Georgien: Land der Klöster, Pilgerstätten und Weinkeller

Eine lange Tagesreise führte mich von Tiflis in die Region Kachetien im östlichen Georgien. Auf den Spuren des georgischen Mönchstums, von Spiritualität und von Wein-Seligkeit.

Gemeinsam mit einem französischen Journalisten-Kollegen begab ich mich auf eine Reise durch einige der kulturell interessanten Regionen in Georgien. Bei dieser Exkursion ging es in den Osten, in Richtung Azerbajdschan. Eine englisch sprechende Guide begleitete uns. Sie brachte uns die Geschichte und spannende Kultur der Region Kachetien (Kacheti) und ihre besonderen Sehenswürdigkeiten näher.

Brunnen im persischen Stil_Georgien

Brunnen im persischen Stil

Sehenswürdigkeiten von Telawi

Unsere Autofahrt starteten wir in der Hauptstadt Tiflis, in der wir uns schon einige Tage aufgehalten hatten. (nachzulesen im Tiflis-Städtebericht). Sie ist der Ausgangspunkt für unsere Exkursionen ins Landesinnere. Die erste regionale Reise führte zuerst nach Telawi, dem wichtigsten Ort der Region Kachetien. Im Zentrum des Ortes ist das Schloss Batoniziche nicht zu übersehen. Es ist umgeben von einer Mauer, die den Palast im persischen Baustil umgibt. Im 16. und 17. Jhdt. war dies der Sitz der kachetinischen Könige. Wegen Renovierungsarbeiten konnte das Schloss aber nicht besichtigt werden. Es beeindruckte mit seiner orientalischen Architektur aber auch von außen.

Schloss_Georgien

Schloss Batonisziche im persischen Stil

Eine andere Besonderheit, die in nächster Nähe zu finden ist: eine alte Platane, die seit 900 Jahren hier wächst. Mit ihren grandiosen 46 m ragt sie in die Höhe. Da fragt man sich schon, was dieser mächtige Baum wohl schon alles „erlebt“ haben muss?

Georgien: Land der Klöster, Pilgerstätten und Weinkeller

900 Jahre alte Platane

Frauen- und Männer Klöster

Die erste Station führte zum Frauen-Kloster Shuamta, südwestlich des Ortes Telawi. Schon von weitem ist die Kreuzkuppelkirche der Klosteranlage zu sehen. Beim Eingang läutetn wir am Tor. Wir warteten bis uns eine schwarz gekleidete Nonne öffnete und uns in den Innenhof einließ.

Kloster_Georgien

Frauenkloster: es leben dort 19 Nonnen

Bevor ich als Frau in die Kirche eintreten durfte, musste ich zuerst meine Kleidung dem ehrfurchtsvollen Ort entsprechend anpassen. Es liegen beim Eingang entsprechende Kleidungsstücke für Besucherinnen parat. Dazu gehört eine lange Hüftschürze, die ich mir umband. Meinen Kopf bedeckte ich mit einem Tuch. Erst jetzt war ich respektvoll genug gekleidet und durfte hinein. Für meinen männlichen Begleiter war dies einfacher. Nur kurzen Hosen sind auch bei Männern nicht erlaubt.

Klosterkirche_Georgien

Klosterkirche Shuamta

Das Kloster wurde im 16. Jhdt. gegründet. In der Kirche sind schöne Fresken zu sehen. Die Stifterin des Klosters und eine Fürstenfamilie sind dort begraben. Die hier lebenden Nonnen widmen sich der Ikonen-Malerei und führen eine eigene Landwirtschaft. Damit ermöglichen sie sich eine Art der bescheidenen Grundversorgung.

Danach stand der Besuch des Männer-Klosters Ikalto an. Es liegt nordwestlich von Telawi. Es wurde im 6. Jhdt. von syrischen Mönchen gegründet. Das Besondere daran, dem Kloster war eine Akademie angeschlossen. Das Kloster war bis zum 16. Jhdt. ein bedeutendes geistiges Zentrum. Hier wurden Studenten von den namhaftesten Wissenschaftlern der damaligen Zeit ausgebildet.

Pilgerstätte der Heiligen Nino

Noch ein weiteres Nonnen-Kloster stand auf dem Besichtigungsprogramm. Das Bodbe Nonnen-Kloster liegt in der Nähe des zauberhaften Ortes Signaghi, den ich weiter unten noch beschreibe.

Es war schon gegen Abend als wir dort ankamen. Eine Nonne ließ uns schweigsam noch kurz vor dem Zusperren ein. An diesem Ort ist die Heilige Nino begraben. Deshalb ist dies eine der bedeutendsten georgisch-orthodoxen Pilgerstätten. Es war nicht zu übersehen, wie ehrfurchtsvoll die Besucher diesem Ort begegnen. Die Kirche hat wunderschöne Fresken aus dem 16. Jhdt. Es darf übrigens in den Kloster-Kirchen nicht fotografiert werden.

Wer war diese Frau?

Wer war diese besondere Frau, die in ganz Georgien verehrt wird? Die Heilige Nino ist die apostelgleiche Erleuchterin Georgiens. Sie kam im 4. Jhdt. von Kappadokien (Zentral-Anatolien in der heutigen Türkei) in das Königreich Iberien (das heutige Georgien). Sie hatte ein großes Wissen um die Heilkraft der Pflanzen. Durch ihre besonderen Fähigkeiten konnte sie sogar die Königin heilen. Eine hohe Belohnung durch den König lehnte sie ab. Sie verwies auf die Heilung durch Gott, der ihr die Kraft dazu gegeben hatte. König Mirian III kam auf einer Jagd in eine Notlage und versprach bei seiner Rettung den christlichen Glauben anzunehmen. So erhob er im Jahr 326 das Christentum zur Staatsreligion. Nino unterwies die Iberer im christlichen Glauben. Sie veranlasste auch die Errichtung der ersten Kirche. Auf ihre Empfehlung wurden christliche Bischöfe und Priester ins Land geholt.

Bodbe Kloster_Georgien

Später lebte die Heilige Nino als Einsiedlerin im Kaspischen Gebirge. 361 erkrankte sie auf einer Reise im Osten Georgiens. Sie starb bei Bodbe in der Region Kachetien. König Mirian ließ über ihrem Grab eine Kirche errichten. Später wurde dort ein orthodoxes Kloster, Ninozminda, gegründet. Zeit ihres Lebens trug die Heilige Nino ein Weinrebenkreuz bei sich. Es wurde von einer Locke ihrer Haare zusammen gehalten. Dieses Weinrebenkreuz der Heiligen Nino wird noch heute in der Ikonostase der Sioni-Kathedrale in Tiflis aufbewahrt.

Schloss Tsinandali und sein Weinkeller

Nach all den Klöstern, Sakralbauten und spirituellen Stätten gab es in der Nähe eine ganz andere Sehenswürdigkeit zu besichtigen. Ein echt romantischer Ort! Das ist das Schloss Tsinandali. Erbaut im orientalischen Baustil, mit einem gepflegtem Park und exotischen Baumarten. Es war einst der Sommersitz einer Prinzessin. In diesem Ambiente fühlte ich mich wie in ein orientalisches Märchen versetzt.

Ich mache eine Führung durch das renovierte Anwesen. Ich erfuhr dabei, dass die Prinzessin einen bedeutenden literarischen Salon unterhielt. Die berühmtesten Schriftsteller und Künstler der damaligen Zeit verkehrten in dieser noblen und gelehrten Gesellschaft.

Schloss mit Parkanlage_Georgien

Schloss Tsinandali wurde 2008 renoviert und gehört einer georgischen Hotel-Gruppe

Eintrittskarte von Tsinandali_Georgien

Eintrittskarte von Schloss Tsinandali

Zur Führung gehörte zum Abschluss auch eine Wein Degustation. Die Region Kachetien ist berühmt für seine wunderbaren Weine. In den Räumlichkeiten der Weinkeller war es recht gemütlich und man kommt leicht mit anderen Besuchern ins Plaudern. Übrigens, die georgischen Weine haben’s in sich! Sie haben einen Alkohol-Gehalt von bis zu 13,5% und steigen ganz schnell zu Kopf.

Malerischer Ort – Signaghi

Auf sanften Hügel gelegen, befindet sich der idyllische Ort Signaghi. Es leben hier nur etwa 2000 Menschen. Der Ort ist bei den Touristen wegen seines malerischen Erscheinungsbildes sehr beliebt. Es erinnerte mich ein wenig an Italien. Hier findet man auch schöne Hotels mit Spa und Wellness. Demnach ein Ort, an dem man gerne länger als nur einen Tag bleibt.

Ansicht von Sighnaghi_Georgien

Sighnaghi hat italienisches Flair

Signaghi mit seinen buckeligen Pflasterwegen, den Häusern mit roten Ziegeldächern und den hochragenden Kirchen bietet sich zum Spazierengehen an. Entlang der Hügel zieht sich eine lange Befestigungsmauer mit Wehrtürmen. Ich marschierte bergauf, einen Teil der langen, breiten Wehrmauer entlang. Immer wieder blieb ich stehen um den wunderbaren Ausblick ins weite Umland zu genießen.

Wehrmauer mit Türmen von Sighnaghi_Georgien

Wehrmauer mit Türmen und Ausblick

Mir hatten es die reizenden, freundlich lächelnden Omas entlang der gepflasterten Hauptstraße angetan! Sie sitzen gerne strickend bei ihrem kleinen Stand vor ihrem Haus. Die alten Frauen bieten ganz unaufdringlich ihre farbenfrohen, handgestrickten Socken und Mützen an.

Strickwarenverkauf_Georgien

diese Oma bietet ihre Strickwaren an

Erst am späten Abend kamen wir nach Tiflis zurück. Es war ein sehr langer Tag mit vielen, faszinierenden Orten und besonderen kulturellen Sehenswürdigkeiten.

Meine TIPPS zum Essen:

Hier habe ich gut gegessen: etwas außerhalb des Zentrums von Telawi, im Restaurant Rcheuli Marani. Es ist ein Restaurant in einem typisch georgischen, stilvollen Hotel mit weißen Holzbalkonen. Sehr lecker schmeckte die warme Chatchapuri, eine Art Pizza mit Käse gefüllt und das Chakapuli, Rindfleisch gekocht in Suppe.

Hinweis:

Interessiert es dich noch mehr über Georgien und seine Kultur zu erfahren? Dann schau doch auch in meine anderen Georgen-Beiträge auf diesem Blog.

Text und Fotos ©Sissi Munz


 

 

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