Gartenschau und Kunstschätze im Stift Kremsmünster

Mein Ausflugstipp führt nach Oberösterreich: über die Kunstschätze von Stift Kremsmünster staunen und sich von der bunten Blumenpracht der Landesgartenschau verzaubern lassen.

Kremsmünster liegt inmitten der sanften Hügellandschaft des oberösterreichischen Alpenlandes, unweit der Kurstadt Bad Hall. Ein Ort, der für einen Ausflug besonders interessant und attraktiv ist! Besucher finden gleich zwei Highlights vor, die zu bestaunen sind: die herausragenden Kunstschätze des Benediktiner-Stiftes und die OÖ Landes-Gartenschau. Beides, Blütenpracht und historisch-religiöses Ambiente, lässt sich wunderbar miteinander verbinden.

Die Romantikstraße führt nach Kremsmünster

Die herrschaftliche Anlage des Stiftes zählt zu den 14 ausgewählten, historisch bedeutsamen Orten der Österreichischen Romantikstraße. Diese bietet „entschleunigtes Reisen mit Genuss“ durch die schönsten Regionen Österreichs. Kulturelle und kulinarische Höhepunkte zwischen Salzburg, dem Salzkammergut bis nach Wien. Wer also einmal gemächlich durch einige der schönsten Regionen Österreichs reisen möchte, dem sei diese knapp 380 km lange Route empfohlen.

Das Stifts-Kloster – gelebte Tradition mit offenen Toren

Im Zentrum der Marktgemeinde Kremsmünster erhebt sich auf den Schotterterrassen des Kremstales das Stift Kremsmünster. Mein Bild zeigt es im frühmorgendlichen Nebel, der das Kloster in ein nahezu mystisches Licht hüllt. Gartenschau und Kunstschätze im Stift Kremsmünster

Es wurde im Jahre 777 als eine der frühesten Klostergründungen auf österreichischem Boden vom Bayern-Herzog Tassilo III gestiftet. Durch die Um- und Neubauten im 17. und 18. Jahrhundert (Baumeister Carlo Antonio Carlone und Jakob Prandtauer) wurde es zu den bedeutendsten barocken Klosteranlagen Österreichs. Es ist ein geistiges Zentrum und Begegnungsstätte vieler Menschen.

Auf dem Eingangstor fällt eine lateinische Inschrift auf:

Porta patens esto, nulli claudatur honesto!Dieses Tor soll jedem offen stehn, der ehrbar will durch selbes gehen!

Auf zur Gartenschau und ins Klosterreich Kremsmünster

Abt Ambros Ebhart re, fr. Felix Mitte

Dieser Spruch steht als Ausdruck der benediktinischen Gastfreundschaft. Diese dürfen wir (die kleine Journalistengruppe zu der ich gehöre) gleich erfahren. Der Abt des Benediktiner-Stiftes Ambros Ebhart lädt uns ein. Er empfängt uns in den schönen ehrwürdigen Residenz-Räumen des Stiftes. Als Willkommensgruß gibt es ein Glas Rosecco aus der Kloster-Weinkellerei.

Vom Kloster-Vorstand erfahren wir mehr über die Leitgedanken des Benediktiner-Wesens. Die Mönchsgemeinschaft besteht derzeit aus 47 Brüdern. Ihre Hauptaufgabe neben dem geistig-religiösen ist die Betreuung des Gymnasiums und der 26 Pfarren sowie die Seelsorge. Aber auch umfangreiche wirtschaftliche Verwaltungs-Bereiche gehören dazu. Eine wesentliche Einnahmequelle sind die Forstwirtschaft und die traditionelle Karpfenzucht, die Weinkellerei und der Gärtnerei-Betrieb. Ihr Mönchstum ist geprägt von der benediktinischen Spiritualität des Betens, Arbeitens und der geistigen Auseinandersetzung – ganz nach dem Motto „Ora, labora, lege“. Jeder hat zu seiner spirituellen Aufgabe auch eine körperliche Tätigkeit, die er verrichtet.

Wir lernen zwei junge Mönche bzw. Novizen kennen, denen wir jede Menge Fragen stellen. Ich bin erstaunt, wie modern und realitätsbezogen ihre Ansichten sind. Sie stehen eben durch ihre Tätigkeiten mitten im normalen Leben, eigentlich fast so wie du und ich! Mit fr. Franz, Religionslehrer am Stifts-Gymnasium, hätten wir uns noch gerne länger unterhalten, z.B. zu dem Satz „Die Summe der Laster bleibt auch im Kloster gleich, aber verteilt sich anders...“. Aber die Zeit ist halt leider immer zu knapp!

Kunstschätze, Sammlungen und Fischkalter

Auf zur Gartenschau und ins Klosterreich Kremsmünster!Der 23-jährige Novize fr. Felix hat die Besucher-Führungen durch das Stift inne. Er begleitet uns durch die interessantesten Räumlichkeiten und erzählt über die bedeutenden Kunstschätze. Er zeigt uns die prachtvolle Bibliothek. Gartenschau und Kunstschätze im Stift KremsmünsterSie umfasst mehr als 230.000 Bände und beinhaltet auch die ältesten Handschriften aus dem 8. Jahrhundert. Dann weist uns fr. Felix auf eine geheime Türe hin. Da wird man neugierig! Sie verbirgt sich nicht erkennbar hinter den schweren, dicken Büchern im Regal Durch einen schmalen Gang gelangt man direkt in die Rüstkammer.

VIDEO: Möchtest du gleich einen Blick in diese Bibliothek werfen? Schau in mein kurzes Facebook-Video.

 

Die große Sammeltätigkeit des Stiftes, besonders in der Zeit des 17. Jahrhunderts, zeigt sich in der Kunstsammlung. Die Kunst- und Wunderkammer birgt großartige Kostbarkeiten und Kuriositäten. Erwähnt sei hier nur ein Prunkstück, der berühmte Tassilokelch des bayrischen Herzogs Tassilo III. Er stammt aus dem 8. Jahrhundert.

Danach geht es über den weiten, bepflasterten Innenhof zur Stiftskirche. Der Abschluss der Besichtigung führt in die Fischkalter, eine wunderschöne, einzigartige Barockanlage. Sie besteht aus fünfteiligen Becken, die von Arkadengängen umgeben sind. Gartenschau und Kunstschätze im Stift KremsmünsterEs ist eine interessante Bauschöpfung, die auf Carlo Antonio Carlone Ende des 17. Jahrhunderts zurückgeht. Beeindruckend inmitten der Becken sind die wasserspeienden Brunnenfiguren. Im Wasser tummeln sich jede Menge Fische, Karpfen und riesige Störe.

Beeindruckt von all den Schätzen und Besonderheiten verabschieden wir uns dankend von fr. Felix für seine interessante Führung. Am Abend treffen wir ihn, fr. Franz und einige andere Mitbrüder wieder beim geselligen Essen im Stiftsrestaurant.

Nach diesem wunderbaren Stiftsbesuch und den netten persönlichen Erlebnissen im Klosterreich folgt eine weitere Attraktion. Es geht zum angrenzenden Garten-Festival. Schon vorweg sei erwähnt, es gibt für beides (Stiftsführung und Gartenschau) auch Kombitickets (Preis € 19,-/ER).

Blütezeit und Gartenfreuden

Der Anblick von Blumen und die Schönheit der Natur hellt unsere Stimmung auf und lässt uns aufblühen. Wer also Blumen und Pflanzen in voller Pracht sehen und riechen will, wird bei dieser Landes-Gartenschau auf seine Kosten kommen!

Gartenschau und Kunstschätze im Stift KremsmünsterUnter dem Motto Dreiklang der Gärten findet auf insgesamt 20ha eine umfangreiche Garten-Präsentation statt – zwischen 21. April – 15. Oktotber 2017 an drei verschiedenen Plätzen. Der Mittelpunkt ist die Anlage des Stiftes. Die weiteren Standorte sind das Schloss Kremsegg und der Markt Kremsmünster. Die Schauplätze können mit einem Shuttlebus leicht erreicht werden.

Schon beim Eintreten in das Stift begrüßen blühende Ginkoblätter und schwimmende Gärten die Besucher. Die Jahrhunderte alte Gartentradition in den Zier- und Nutzgärten zeigt sich neu belebt. Im ältesten Gewächshaus Europas, dem Feigenhaus, sind floristische Ausstellungen zu sehen. Auf zur Gartenschau und ins Klosterreich Kremsmünster!Neben der Stiftsgärtnerei wächst all das, was in der Gartenschauküche verarbeitet wird.

Nicht zu übersehen inmitten dieser Blumenpracht sind zwei Bauwerke. Ein riesiges Gebäude mit einer Höhe von 50 Metern, das einst als das erste Hochhaus Europas galt. Es birgt eine Sternwarte mit naturwissenschaftlichen, astronomischen und volkskundlichen Exponaten. Ein anderes kurioses Gebäude wird aufgrund seines orientalischen Baustils „Moschee“ genannt. Allerdings hat es nichts mit einem Gebetshaus zu tun. Es ist ein Gartenhaus aus der Barockzeit, das als architektonische Kulisse des alten Ziergartens dient. Dort gibt es eine nette Terrasse mit Café und schönem Ausblick.

VIDEO: als kleinen Vorgeschmack auf die betörende Blütenpracht könnt ihr auf meiner Facebook-Seite  eine kleine Slideshow mit Impressionen von der Gartenschau finden.

Meine Tipps und Hinweise

Nach dem Augenschmaus kommt der Gaumenschmaus! Am besten nach dem Besuch gleich in der Stiftsschank einkehren. Hier gibt es traditionelle, gut bürgerliche Speisen. Ich habe natürlich den fangfrischen Fisch aus der Fischzucht des Stiftes bestellt – schmeckt ausgezeichnet!Fisch Essen in Kremsmünster

Informationen zu den Stifts-Führungen und weitere Details findet ihr auf der website des Stiftes Kremsmünster. – Gäste, die die Stille suchen, sind im Kloster willkommen. Sie können im kleinen Gästetrakt des Hauses für einige Nächte untergebracht werden (es ist aber kein Hotelbetrieb).

Wer sich über die Tourismusregion Bad Hall-Kremsmünster informieren möchte, bekommt gerne Auskunft durch das zuständige Tourismusbüro.

Text und Fotos: ©Sissi Munz


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